Samstag, 5. Juni 2010 14:30 Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Il Palazzo Incantato et Il Combattimento

Halbszenische Aufführung


Il Palazzo Incantato et Il Combattimento
Musik von Luigi Rossi und Claudio Monteverdi

Il Palazzo incantato (Auszüge) (1642)
Oper in einem Prolog und drei Akten von Luigi Rossi (um 1598–1653)

Libretto: Giulio Rospigliosi
nach Orlando furioso von Ariosto

Die Personen

Angelica  Raquel Andueza, Sopran
Ruggiero, Orlando Cyril Auvity, Tenor
Bradamante  Luciana Mancini, Mezzosopran
Gigante   Fulvio Bettini, Bariton


Il Combattimento di Tancredi e Clorinda (1624)
Szene von Claudio Monteverdi (1567–1643)
erschienen in den Madrigali guerrieri et amorosi (1638)

Die Personen

Erzähler  Fulvio Bettini, Bariton
Clorinda  Raquel Andueza, Sopran
Tancredi  Cyril Auvity, Tenor

Raquel Andueza (Sopran), Luciana Mancini (Mezzosopran), Cyril Auvity (Tenor), Filvio Bettini (Bariton)
Tänzer: Bruna Gondoni, Marco Bendoni, Vincenzo Capezzuto

Als barocke Jam-Sessions bezeichnete die Presse mehrfach die Auftritte von Christina Pluhar und ihrem Ensemble L'Arpeggiata (Echo-Klassik-Preisträger 2009). Seit den 1990er Jahren ist die österreichische Künstlerin in der Alten Musik-Szene bekannt für ihre schlanken, ja geradezu tänzerischen Interpretationen, in denen instrumentaler Rhythmus, Spannung und Tempo mit lustvollem Gesang verschmelzen. Noch nie war Monteverdi mit einer solchen Sinnlichkeit und solch verführendem Klangzauber zu hören. Rossis Il Palazzo incantato basiert auf Ariosts Orlando furioso, einer Textquelle, die auch Monteverdi solange verwendete, bis er Torquato Tassos Gerusalemme liberata für sich entdeckte. Aus letzterem Werk stammt der Text des Combattimento.

Das französische Ensemble L’Arpeggiata wurde im Jahr 2000 von Christina Pluhar gegründet. Es besteht aus einigen der besten europäischen Instrumental- und Vokalsolisten und arbeitet mit hervorragenden Sängern vor allem aus dem Bereich der Barockmusik zusammen. Ziel der Arbeit ist die Wiederbelebung eines weitgehend unbekannten Repertoires französischer und italienischer Musik vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Darbietungen von L’Arpeggiata stützen sich dabei auf drei Säulen: die Instrumentalimproviasation, einen von volksmusikalischen Techniken beeinflussten Gesang sowie attraktive Bühnendarstellungen. Der Erfolg des Ensembles ist bei Publikum und Kritik gleichermaßen hoch: Bereits 100.000 CDs (Alpha Recordings) wurden verkauft und – ebenso wie ihre Konzerte – von der Presse hoch gelobt.
Das Album »La Villanella« mit Musik Girolamo Kapsbergers wurde im September 2001 als »Event of the Month« von Repertoire Des Disques und als »Premio Internationale del disco per la musica italiana« ausgezeichnet. Ihre zweite CD »Homo fugit velut umbra« mit Werken von Stefano Landi wurde vom Répertoire magazine zur »10 de Répertoire«, vom Diapason review zum »Diapason Découverte«, vom BBC Music Magazine zur »CD of the Week« und von Amadeus (Italien) zur »CD of the Month« geweählt und erhilelt von Pizzicato (Luxembourg) den »Prix Exellentia«. Auch das CD-Projekt »La Tarantella«, bei dem Barock- und traditionelle Musiker aufeinandertreffen, wurde als »10 de Répertoire« ausgezeichnet, wurde »CD of the Week« (France Musique) und »CD of the Month« (Toccata, Deutschland) und gewann 2004 den »Cannes Classical Award« als beste Alte-Musik-CD. All’Improvviso«, ihre dritte CD, wurde »CD des Monats« (BBC Music Magazine). Jüngst erschien eine Einspielung der Rapressentatione di Anima et di Corpo von Emilio de Cavalieri.
L’Arpeggiata nahm an zahlreichen Festivals in Frankreich teil und war zu Gast beim Lufthansa Festival London, beim Utrecht Early Music Festival, beim Festival de Pontoise und beim Printemps des Arts de Nantes. Es gastierte außerdem bei Les Baroquiales, Rencontres de Vezelay, Euphonia, Festival Musique Sacrée de Fribourg, Klangbogen Vienna, Pfigstfestspiele Melk, Sommerklang Freiburg, Academie Bach Arques-La-Bataille, Emociana Antigua-Madrid, Segni Barocchi-Foligno, Flagey à Bruxelles, Festival de St Michel-en-Thierache und Festival de Sablé-sur-Sarthe, Brugge.

Christina Pluhar entdeckte nach ihrem Studium an der Universität Graz ihre Liebe zur Musik des Barock und der Renaissance. Es folgte ein Studium der Laute, Theorbe und Gitarre am Königlichen Konservatorium Den Haag und an der Schola Cantorum bei Hopkinson Smith, der Barockharfe an der Schuola Civica di Milano bei Mara Galassi sowie Meisterkurse bei Paul O’Dette, Andrew Lawrence-King und Jesper Bøje Christensen. 1992 gewann sie den ersten Preis beim Internationalen Wettbewerb für Alte Musik in Malmö mit dem Ensemble La Fenice. Sie ließ sich in Paris nieder und konzertiert regelmäßig als Solistin und Continuo-Spielerin. Zu ihrem Repertoire gehört Musik für Renaissance- und Barocklaute, Barock-Gitarre, Erzlaute, Theorbe und Barock-Harfe aus dem 16.–18. Jahrhundert, wobei sie mit zahlreichen Ensembles zusammenarbeitet: La Fenice (Jean Tubéry), Hesperion XXI (Savall), Il Giardino Armonico, Concerto Soave (Maria Cristina Kiehr) Accordone (Beasley), Elyma (Gabriel Garrido), Les Musiciens du Louvre (Marc Minkowski), Ricercar Consort (Philippe Pierlot), La Grande Écurie et la Chambre du Roy (Jean-Claude Malgoire) und Cantus Cölln (Konrad Junghänel). Als Continuo-Spielerin ist sie für Aufführungen und CD-Produktionen unter René Jacobs, Ivor Bolton, Alessandro di Marchi, Marc Minkowski oder Gabriel Garrido aktiv. Seit 2001 ist sie Assistentin von Ivor Bolton an der Bayerischen Staatsoper in München.
Im Jahr 2000 gründete sie L’Arpeggiata, mit denen sie bereits zahlreiche hoch gelobte CD-Einspielungen realisierte. 2005 war sie Gastdirigentin des Australian Brandenburg Orchestra, 2007 des European Union Baroque Orchestra; im selben Jahr unternahm sie eine Europa-Tournee mit dem Orchestre Divino Sospiro Portugal. Seit 1999 lehrt Christina Pluhar Barockharfe am Königlichen Konservatorium Den Haag und gibt regelmäßig Meisterkurse an der Universität Graz.

Die Sopranistin Raquel Andueza begann mit sechs Jahren im Chor der Niños Cantores de Navarra; mit acht lernte sie Violine und mit vierzehn Singen am Conservatorio Superior de Música Pablo Sarasate in Pamplona. Sie setzte ihre Studien an der Londoner Guildhall School of Music and Drama und ab 2000 bei Richard Levitt fort. Raquel Andueza musiziert regelmäßig mit verschiedenen Ensembles: L’A rpeggiata, El Concierto Español, Conductus Ensemble, Orquesta Barroca de Sevilla, Al Ayre Español, La Tempestad, La Real Cámara, Hippocampus, Private Musicke, Gli Incogniti, Orquesta y Coro de la Comunidad de Madrid, B’Rock, More Hispano, Armoniosi Concerti u.a. 2003 wurde sie Mitglied des Vokalquartetts La Colombina, im selben Jahr gründete sie mit dem Theorbisten Jesús Fernández Baena ein Duo, das sich besonders der Italienischen Musik des 17. Jahrhunderts widmet. Seit 2004 singt sie im Ensemble Orphénica Lyra unter José Miguel Moreno. Als Solistin tritt sie auf Festivals und in Konzerthäusern Europas auf – u.a. in Paris, Madrid, Barcelona, Brüssel, Utrecht, Prag, Bukarest, Wien, Neapel, Granada und London; ihr Amerika-Debut feierte sie 2004 in Minneapolis (Sundin Hall). Sie sang u.a. unter William Christie, Fabio Biondi, Emilio Moreno, Jacques Ogg, Monica Huggett, Eduardo Lopez-Banzo, Richard Egarr, Christina Pluhar, Andoni Sierra, Ernest Martinez-Izquierdo, Ottavio Dantone, Christian Curnyn, Pablo Heras, Sir Colin Davis und Jordi Casas und wirkte auf Aufnahmen für Französische, Belgische, Deutsche, Schweizer und Spanische Radiosender und für die Lables Glossa, Verso, NB Musika, Zig-Zag Territoires, Accentus and K617 mit.

Die Mezzosopranistin Luciana Maninci studierte am Königlichen Konservatorium in Den Haag bei Rita Dams, Jill Feldman, Michael Chance, Peter Kooij und Diane Forlano und spezialisierte sich auf die Interpretation Alter Musik; 2009 schloss sie mit einem Master in Barockgesang ab. Als Mitglied des Choeur de Chambre de Namur nahm sie an verschiedenen Projekten teil. 2007 trat sie als Messaggi in Monteverdis L’Orfeo mit La Fenice unter Jean Tubéry auf. Mit L’Arpeggiata arbeitete sie bei La Rappressentatione di Anima e di Corpo von Emilio de Cavalieri, bei Monteverdis Vespro della Beata Vergine und bei Konzertprogrammen wie Los Imposible, Via Crucis und All’improvviso zusammen. 2008 sang sie die Bradamante in der Oper Il Palazzo Incantato von Luigi Rossi unter Christina Pluhar am Théâtre de Poissy. Händel-Partien waren die Matilde in Lotario, Galatea in Aci, Galatea e Polifemo und Cleofe in La Resurrezione. Jüngst war sie als Nerone in Monteverdis L’Incoronazione di Poppea an der Dutch National Opera Academy Amsterdam unter Glen Wilson zu hören. In der Spielzeit 2009/10 singt sie u.a. die Amastre in Händels Serse mit der Lautten Compagney Berlin.

Der Tenor Cyril Auvity debütierte in Aix en Provence als Telemaco in Monteverdis Il Ritorno d’Ulysse unter William Christie. Es folgten Touren mit Actaéon und der Messe de Minuit von M.A. Charpentier durch Europa und die USA sowie die Agrippa in Il Tito von Antonio Cesti an der Oper am Rhein 2001. An der Opera-Bastille, Dorval, sang er in On ne s’avise jamais de tout von Monsigny unter Hervé Niquet, mit dem er Les Leçons des Ténèbres à Trois Voix d’Hommes und Les Méditations pour le Carême von Charpentier aufnahm. Wichtige Auftritte waren weiterhin: auf dem Festival de Beaune in Lullys Persée unter Christophe Rousset und in I Strali d’Amore von Cavalli unter Gabriel Garrido sowie auf dem Festival in La Chaise-Dieu in Charpentiers Te Deum unter Paul McCreesh. In Spanien debutierte er mit The Fairy Queen von Purcell unter Rousset, in Kanada an der Opera Atelier Toronto mit Jason in Charpentiers Medée; außerdem sang er die Titelrolle in Lullys Persée. In Purcells Dido and Aeneas trat er unter Jane Glover an der Opera de Nancy, in der Titelrolle in Charpentiers Actaéon auf dem Festival of Aldenburgh unter Emmanuelle Haim und mehrmals mit Jordi Savall auf. In Les Arts Florissants von Charpentier sang er unter Christie, an der Opéra de Nancy und am Théâtre du Châtelet in Rameaus Pygmalion (Titelrolle) unter Niquet. Mit Gounods Médecin malgré Lui unter Emmanuel Krivine ging er auf Frankreich-Tournee; als Don Ottavio debutierte er an der Cité de la Musique in Paris; in der Oper Lille stand er auch in Bergs Wozzeck auf der Bühne. Vor kurzem sang in Pergolesis La Sallustia in Montpellier und Jesi, in Händels Partenope mit Ottavio Dantone, in Il Ritorno d’Ulisse in Madrid unter Christie, in Monteverdis Vespro della Beata Vergine unter Savall und in Dido und Aeneas in Montpellier. Weitere Projekte sind Cavallis La Calisto am Théâtre des Champs-Elysees unter Rousset und eine Aufnahme von Boccherinis La Clementina für Deutsche Gramophon.

Der Bariton Fulvio Bettini begann seine Ausbildung am Pontificio Istituto di Musica Sacra und am Conservatorio Giuseppe Verdi Milano bei Margareth Hayward; es folgten Meisterkurse in den Niederlanden und in Deutschland. Er singt regelmäßig mit Barockensembles wie Il Giardino Armonico, Les Concerts de les Nations / La Capella Reial de Catalunya, La Petite Bande und Accademia Bizantina und trat auf namhaften Festivals und Opernbühnen auf: Salzburger Festspiele, Styriarte Festival, Osterklang Wien, Internationale Barocktage Stift Melk, Schwetzinger Festspielel, Händel-Festspiele Halle u.a. Sein Repertoire reicht von Renaissancepolyphonie bis zu Werken von Philipp Glass; der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Barock: Monteverdi, Händel, Carissimi, Telemann, Porpora, Draghi, Galuppi, Conti und Bach. Bettini zählt zu den wichtigsten italienischen Bach-Interpreten. Hervorzuhebn sind seine Mitwirkung bei der ersten Wiederaufführung von F. B. Contis Il martirio di San Sebastiano bei den Salzburger Festspielen, bei Monteverdis Il Combattimento di Tancredi e Clorinda (beides mit Il Giardino Armonico / Antonini), bei Händels Apollo e Dafne bei den Händel-Festspielen Halle (mit Zefiro / Bernardini) und bei F. Contis Don Chisciotte in Sierra Morena (Sancio Pansa) unter René Jacobs bei den Innsbrucker Festwochen und in Beaune. Ebenfalls unter Jacobs sang er in L’Incoronazione di Poppea an der Berliner Staastoper und an La Monnaie Brüssel, unter Sigiswald Kujken als Leporello in Beaune und in Haydn’s Il mondo della luna in Tokyo. Daneben sang er Mozarts c-Moll-Messe sowie Musik von Rossini, Donizetti, Beethoven, Mendelssohn, Schubert, Brahms, Ravel, Berlioz, Faurè, Weill, Wolff-Ferrari und Philip Glass (erste italienische Aufführung von Satyagraha).

Bruna Gondoni, Leiterin der von Andréa Francalanci gegründeten italienischen Renaissance-Tanzgruppe Il Ballarino, studierte Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti sowie klassischen und modernen Tanz an der Tanz- und Theaterschule Imago Lab in Florenz. Sie war Mitglied der Société Francine Lancelot Ris et Danceries für die Produktion »et MESURA temporaire« für die Biennale de la Danse in Lyon und für das Maggio Musicale Fiorentino. Als Tänzerin, Choreografin und Leiterin von Il Ballarino nahm sie weltweit an Festivals teil: Utrecht Festival, Sable-sur-Sarthe, Ambronay, Palais de Beaux-Arts (Brüssel), Wallonien Festival, Festival de Música de Buenos Aires, Camino de Santiago del Barroco, Kathedralen der Picardie, Barranquilla (Kolumbien), Torino Settembre Musica, Medellin, Kyoto, Medina (Tunis), Istanbul, Boston Early Music Festival, Namur, Medieval Festival von Agia Napa (Zypern), Palau de la Música Catalana in Barcelona, Haute-Jura Music Festival in Straßburg, Internationales Bachfest Schaffhausen u. a. Sie hat mit Dirigenten wie Christina Pluhar, Jordi Savall, Sigiswald Kuijken, Alan Curtis, Andrew Parrott, Rolf Lislevand, Gabriel Garrido, René Clemencic, Daniela Dolci, Chiara Banchini, Tubéry Jean und Denis Raisin-Dadre zusammengearbeitet. Aufsehen erregten ihre Choreografien von Monteverdis L’Orfeo, Il Combattimento di Tancredi e Clorinda und Il Ballo delle Ingrate, Marco da Gaglianos La Dafne, Balthasar de Beaujoyeulx’ Le Ballet comique de la Royne, Francesca Caccinis Oper La Liberazione di Ruggero dall’i sola di Alcina sowie von La Tarantella mit L’Arpeggiata. Bruna Gondoni lehrte am Centre de Musique ancienne de Genève, an der Académie de danse classique de Monaco und am Real Conservatorio de Danza Madrid.

Marco Bendoni begann mit zeitgenössischem Tanz und arbeitete mit der Kompanie Imago Lab Florenz und Simona Bucci, mit Philippe Decouflé und Vicente Saez und mit Naturalis Labor Vicenza. Als Tänzer und Pantomime wirkte er an der Oper des Teatro Comunale Florenz, in Bologna, Bassano und Martinafranca. Mit Il Ballarino und Bruna Gondoni führt Bendoni Tänze der italienischen Renaissance und des französischen Barock weltweit in Zusammenarbeit mit den bedeutendsten Orchestern für Alte Musik auf. In seine Arbeit nimmt Bendoni auch östliche Elemente auf studierte Techniken wie Tai Chi Qui Gong (bei Mantak Chia, Thailand), Aikido (bei Beppe Ruglioni, Florenz) und Tai Chi (bei Antony und Elisabetta Carniani). Unter Anleitung von Amiyo Devienne und Idris Lahore wurde eri außerdem Meister der Heiligen Tänze des griechisch-armenischen Esoterikers Georges I. Gurdjieff.


Karten: 60, 45, 30 €


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